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Was tun, wenn man ständig das Gefühl hat, zu wenig Zeit zu haben?

Habt ihr auch ständig das Gefühl, dass eure Zeit zu knapp ist, dass der Tag gerne 8 Stunden mehr haben dürfte, weil euch am Ende des Tages keine Zeit für euch selbst bleibt? Auch nach Feierabend, nach Abarbeiten der wichtigsten To-dos im Haushalt, wenn ihr abends auf der Couch sitzt, habt ihr immer noch das Gefühl, etwas erledigen zu müssen… falls ihr es überhaupt bis zur Couch geschafft habt. 😅 Ihr kommt einfach nicht zur Ruhe, obwohl ihr die so dringend nötig hättet. Selbst die beste Organisation, ein noch so gutes Zeitmanagement reicht nicht mehr aus, um all die selbst auferlegten Aufgaben zu erledigen. Das Leben rast an euch vorbei, ohne dass ihr es aktiv gestalten und genießen könnt. Ihr funktioniert einfach nur noch. Dann sage ich: „Willkommen im Club!“ Mir geht es genauso. Aber ich bin kein Mensch, der das einfach so akzeptiert. Ich gehe den Dingen prinzipiell auf den Grund und daher habe ich mich gefragt, warum ist das so, dass das Leben an uns vorbeirast und wir das Bremspedal nicht mehr finden?

Die Merkmale der heutigen Beschleunigungsgesellschaft

Dieses Gefühl oder die Situation, welche ich gerade beschrieben habe, sind typische Merkmale unserer heutigen Beschleunigungsgesellschaft (siehe dazu auch folgendes Interview: https://www.zeit.de). Alle fühlen sich ständig gehetzt und haben das Gefühl, die Zeit ist zu knapp und dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  • Die technische Beschleunigung nimmt zu, was heißt, ein Auto ist bspw. schneller als ein Fahrrad, eine E-Mail schneller als ein Brief. Zudem produzieren wir immer mehr Güter und Dienstleistungen in viel kürzerer Zeit. Gerade der Fortschritt durch Mails und Messenger erfordert eine viel höhere Reaktionsfrequenz und stellt für viele ein echtes Problem dar.
  • Ein weiterer Grund ist der soziale Wandel, den wir durchzogen haben. Wir sind nicht mehr so fest in stabilen sozialen Beziehungen verankert, wie noch die Generation unserer Eltern und Großeltern. Das zeigt sich daran, dass wir eher gewillt sind, z. B. die Arbeitsstelle oder den Wohnort zu wechseln. Viele haben im Laufe ihres Lebens wechselnde Lebenspartner und wir ändern generell häufiger unsere Gewohnheiten.
  • Insgesamt führt das zu einer grundsätzlichen Beschleunigung unseres Lebenstempos. Wir wollen mehr Dinge in kürzerer Zeit erledigen. Zum Beispiel nehmen wir uns kaum Zeit zum Kochen und schwören lieber auf ungesundes Fast Food, wir wollen Multitasking fähig sein, ignorieren notwendige Pausen, usw.

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Letztendlich haben wir uns selbst die Strukturen geschaffen, die das Lebenstempo immer mehr antreiben. Wir haben in unserem Leben plötzlich deutlich mehr Optionen als die Generationen vor uns. Wir wollen viel mehr erleben, weil wir denken, dass wir dadurch glücklicher werden… und ich denke mittlerweile, das ist ein Trugschluss. Wir wollen uns auf keine Option mehr festlegen, es könnte sich schließlich eine bessere auftun. Da uns allen bewusst ist, wie kostbar Zeit ist (nachzulesen unter Time Out – Die Bedeutung der ZEIT), möchten wir sie mit möglichst vielen Aktivitäten füllen. Was am Ende dazu führt, dass wir ständig gehetzt, gestresst und getrieben sind und nicht mehr genießen können. Hinzu kommt die Dauerstimulation durch Fernsehen, Internet, Smartphones, uvm. Wie soll man sich da noch auf sich selbst konzentrieren können?

Was macht diese ständige Rastlosigkeit mit mir?

Es mag sein, dass viele diese Dauerstimulation überhaupt nicht stört, da sie gar nicht wissen, was sie mit sich selbst anfangen sollen. Ich selbst bin zwar auch ein sehr umtriebiger Mensch, der immer nach Aufgaben sucht und dem es schnell langweilig wird. Das heißt aber nicht, dass ich mich damit wohlfühle oder ich nicht hin und wieder kleine Auszeiten für mich bräuchte. Nur plagt mich dann ziemlich bald das schlechte Gewissen, weil ich ja eigentlich noch so viele Dinge erledigen müsste.

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Muss ich das wirklich oder denke ich nur, dass ich das muss? Bin ich an meiner individuellen Planung gescheitert oder wurden mir meine Pflichten durch gesellschaftliche Erwartungen auferlegt, bin ich also fremdbestimmt? Ich bin jedenfalls gewillt, diese innere Unruhe und Rastlosigkeit abzulegen. Denn irgendwann gibt der Körper das Signal, dass es so nicht weitergehen kann.

Ist es nicht so, dass wir uns auf der Arbeit jeden Tag nach dem Feierabend sehnen, wohlwissend dass unsere Freizeit im Prinzip ebenfalls voller To-dos ist? Wir müssen uns um den Haushalt kümmern, eventuell um die Kinder bzw. Familie, wir haben Unternehmungen mit Freunden geplant, wollen unsere Hobbys ausüben, uns sportlich betätigen, etc. Ihr seht schon, selbst nach Feierabend ist man nur damit beschäftigt, seine Liste abzuarbeiten und Terminen nachzugehen.

Dinge, die uns eigentlich Freude machen, werden plötzlich zu einem lästigen MUSS, weil wir einfach nicht die Zeit und Ruhe haben, die wir bräuchten.

Aber sind wir ehrlich, selbst mit 8 Stunden mehr am Tag wären unsere Probleme höchstwahrscheinlich nicht gelöst, unsere Listen wären nur noch länger und der Terminkalender noch voller. Außerdem ist unser Gehirn keine Maschine, irgendwann sind wir erschöpft, ausgelaugt, werden unproduktiv und fehleranfällig. Was dazu führt, dass unsere Laune in den Keller geht und wir unzufrieden sind.

Was muss ich ändern, damit ich auch mal Zeit für mich habe?

Mittlerweile haben wir zwar unser Problem erkannt, aber immer noch keine Lösung, wie das Problem verschwindet bzw. wie wir mehr Zeit für uns selbst finden. Denn eines ist klar, jeder Mensch hat Bedürfnisse, jeder möchte sich selbst verwirklichen. Auch wenn wir unsere Kinder, den Partner, den Job noch so sehr mögen, wir brauchen zumindest ein kleines Zeitfenster für uns selbst. In dieser Zeit ist es uns durchaus erlaubt, einfach mal nichts zu tun, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Diese sogenannte Me-Time gehört uns ganz alleine. Aber lasst dabei bitte ganz bewusst Fernseher, Smartphone sowie sonstige Unterhaltungsmedien außen vor und beschäftigt euch nur mit euch selbst. Man könnte z. B. einen Spaziergang machen, ein Bad nehmen, Sport treiben, meditieren.

Tut das, was euch gut tut, das wobei ihr am besten abschalten könnt! Und geht dabei auf gar keinen Fall im Kopf die nächsten Termine durch oder führt euch eure To-do-Liste vor Augen!

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Es gibt natürlich auch sehr gute Zeitmanagement-Strategien, die bei der Organisation hilfreich sind und so manches Zeitfenster freiräumen und uns produktiver werden lassen. Aber am wichtigsten ist, dass unnötige Dinge konsequent eliminiert werden. Und glaubt mir, es gibt genügend davon (siehe dazu Die verlorene Zeit). Ich bin zum Beispiel bei manchen Dingen zu ordentlich. Es wird hier und da noch eine überflüssige Tabelle angelegt und alles mögliche aufgelistet oder fünfmal der Kleiderschrank umsortiert. Notwendig ist das keineswegs und frisst eine Menge Zeit. Das schlimme ist, ich weiß es und kann es trotzdem nicht sein lassen. Beim Hausputz und im Garten habe ich es mittlerweile eingesehen, dass nicht immer alles picobello und akurat sein muss. Es reicht auch mal ein „ganz OK“ aus und schon habe ich etwas Zeit gewonnen, um das zu tun, was mir mehr Freude bereitet.

Wenn sich die Möglichkeit ergibt, könnte man auch nützliches mit angenehmen verbinden. Ich mache öfter mal einen Spaziergang zur Post, wenn ein Päckchen abzugeben ist oder schwinge mich aufs Fahrrad und radle zum Supermarkt. So habe ich mich bewegt, war an der frischen Luft und habe einen Punkt auf meiner To-do-Liste abgehakt.

Was bei mir immernoch ein sehr großer Stressfaktor ist, ist das Smartphone. Obwohl ich es weiß, begleitet es mich den ganzen Tag. Dabei stört es nicht nur die Konzentration beim Arbeiten, weil ständig Nachrichten kommen, sondern lenkt mich auch bei anderen Tätigkeiten ab. Beim Fernsehen lege ich das Smartphone fast gar nicht mehr aus der Hand. Essen, geschieht nur so nebenbei, die Aufmerksamkeit gehört voll und ganz dem Smartphone. Ich habe das extra ein bisschen überspitzt beschrieben. Aber es ist Fakt, man tut nichts richtig bewusst, solange man ständig am Smartphone hängt und es frisst unmengen unserer kostbaren Zeit. Deshalb öfter mal den Flugmodus einschalten (mehr dazu unter Digital Detox – Keine Macht den Smartphones!), insbesondere auch dann wenn ihr eure kleinen Auszeiten nehmt, um den Akku wieder aufzuladen. Und zwar euren Akku, nicht den Handy-Akku 😉

Am Ende ist es allerdings jedem selbst überlassen, was er mit seiner Zeit anstellt. Ich kann euch nur mit auf den Weg geben:

Zeit hat man nicht, die nimmt man sich für das, was einem wichtig ist.