- Geld & Finanzen

Kann ich mir Wohneigentum leisten?

Viele träumen vom eigenen Haus oder der Eigentumswohnung. Vor ca. 5 Jahren ging es mir genauso und ich stand vor der Entscheidung: Haus, Eigentumswohnung oder weiterhin Miete? Die alles entscheidende Frage ist hierbei: „Kann ich mir Wohneigentum überhaupt leisten?“

Deshalb habe ich mir gedacht, ich mache mal wieder einen Exkurs in die Finanzwelt und beschäftige mich mit eben dieser Frage. Außerdem möchte ich euch eine Kalkulationsgrundlage mit auf den Weg geben, die euch bei eurer Entscheidung weiterhelfen soll.

Wovon hängt es ab, ob ich mir Wohneigentum leisten kann?

  • vom angesparten Eigenkapital, welches man zur Verfügung habt
  • vom monatlichen Nettoeinkommen und wie viel davon frei verfügbar ist
  • von der Kreditwürdigkeit
  • und natürlich von den Gesamtkosten des Wohneigentums

Wie viel Eigenkapital habe ich zur Verfügung?

Wenig überraschend ist, je mehr Eigenkapital man einsetzen kann, umso besser. Dadurch wird nämlich das finanzielle Risiko geringer. Eigenkapital in Höhe von mindestens 30 % der Gesamtkosten des Wohneigentums ist erstrebenswert, als Untergrenze sollten 20 % allerdings nicht unterschritten werden. Dabei muss unbedingt berücksichtigt werden, dass folgende Kosten zusätzlich anfallen können: Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchgebühren sowie Maklerprovision.

Zum Eigenkapital zählen alle Geldmittel, die sofort in den Kauf des Wohneigentums gesteckt werden können, wie z. B. Bankguthaben, Tagesgeld, Bausparguthaben, Aktien und Aktienfonds. Auf alle Fälle sollte obendrein überprüft werden, ob zusätzliches Geld in Form eines Darlehens oder Zinsvergünstigung über Fördermittel beantragt werden kann.

Also erst einmal Kassensturz machen und den Vermögensbestand checken!

Wie viel Geld bleibt am Ende des Monats übrig?

Ob ich mir die eigenen vier Wände leisten kann, hängt neben meinen Ersparnissen aber vor allem von der Höhe des monatlichen Nettoeinkommens ab. Eine Faustregel besagt, dass die Kreditrate keinesfalls über 40 % des Nettoeinkommens hinausgehen soll, da zur Kreditrate die Nebenkosten hinzugerechnet werden müssen und zwingend Rücklagen für die Instandhaltung aufgebaut werden sollten. Allerdings kann sich das Nettoeinkommen durch Zusatzeinkünfte wie z. B. Minijob oder Kindergeld noch erhöhen.

Von diesem monatlichen Einkommen müssen fixe Kosten abgezogen werden. Zu fixen Kosten eines Haushalts zählen: Kfz-Steuer und -Versicherung, GEZ-Gebühr, Telefon und Internet, sonstige Versicherungsbeiträge, Beiträge für Altersvorsorge, uvm. Oft wird die Höhe dieser Fixkosten unterschätzt. Neben den Fixkosten gibt es noch die veränderlichen Ausgaben, die für den Lebensunterhalt einkalkuliert werden müssen. Dazu gehören Lebensmittel, Bekleidung, Körperpflege, Verkehrsmittel, Sonstiges (Hobbys, Freizeit, Geschenke).

Daraus kann schließlich ermittelt werden, wie viel Geld nach Abzug aller laufenden Ausgaben übrigbleibt. Dieser Betrag kann im Prinzip zur Tilgung des Darlehens angesetzt werden. Allerdings bitte immer an die Rücklagen denken, zum einen geht immer mal etwas kaputt (Auto, Waschmaschine, …) und zum anderen steht bei Wohneigentum irgendwann eine Renovierung an. Deshalb immer vorausschauend planen.

Zum besseren Verständnis habe ich ein Beispiel mit fiktiven Zahlenwerten erstellt, welches ihr direkt als Excel-Datei downloaden und mit eigenen Werten ausfüllen könnt: Kalkulationstabelle_Monatsbudget

190308_Monatl_Budget

Noch detaillierter findet ihr die Berechnung des monatlichen Budgets in Pleitegeier oder Sparfuchs. Als ich mich damals intensiver mit dem Hausbau auseinandergesetzt habe,  habe ich begonnen ein Haushaltsbuch zu führen und das mache ich bis heute.

Wie viel Geld bekomme ich von der Bank?

Die Kreditwürdigkeit hängt von so vielen Faktoren ab, da hilft aus meiner Sicht nur der direkte Weg zur Bank. Bei mir hat es z. B. eine Rolle gespielt, dass ich eine Frau bin, was bedeutet, dass bei mir nicht das volle Gehalt angesetzt werden kann. Und warum, weil die Bank statistisch gesehen davon ausgehen muss, dass ich früher oder später eine Babypause mache. In dieser Phase würde ich dann theoretisch nicht das volle Gehalt beziehen. Das war mir vorher bspw. nicht bewusst.

Daher solltet ihr, nachdem ihr die ganze Vorarbeit bzgl. Vermögensbestand und der Ermittlung des monatlich verfügbareren Überschusses geleistet habt, zur Bank gehen. Lasst euch unbedingt von mehreren Banken ein Finanzierungsangebot geben, da die Angebote teilweise doch recht unterschiedlich ausfallen und man somit eine bessere Verhandlungsbasis hat.

Man sollte sich allerdings bereits vorab Gedanken über die Laufzeit des Kredits machen. Eine längere Laufzeit bedeutet zwar eine niedrigere Tilgungsrate, aber dafür einen höheren Gesamtzinsaufwand. Das heißt am Ende – nach Ablauf der Kreditlaufzeit – einen höheren Betrag, der an die Bank zu zahlen ist.

Im Internet gibt es hierzu ganz gute Kredit- und Tilgungsrechner wie z. B. diesen: https://www.test.de

Ich persönlich habe mich für eine Laufzeit von 10 Jahren entschieden, wohlwissend, dass bis dahin mein Haus noch nicht abbezahlt ist. Danach werde ich eine Anschlussfinanzierung machen müssen in der Hoffnung, dass das Zinsniveau bis dahin nicht merklich angestiegen ist. Dafür habe ich einen niedrigeren Sollzins erhalten. Man sollte sich also auf alle Fälle intensiver mit dem Thema der Finanzierung beschäftigen, weil es viele verschiedene Optionen gibt und man dabei wirklich viel Geld einsparen kann.

An dieser Stelle möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass ich eine Zinsvergünstigung durch die KfW-Bank (Förderprogramm) erhalten habe. Diese Möglichkeiten bitte unbedingt prüfen.

Wie viel wird mein Wohneigentum kosten?

Der Preis ist entweder durch den Immobilienmakler, den Generalplaner oder generell den Verkäufer vorgegeben und im besten Fall noch verhandelbar. Neben Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchgebühren sowie ggf. Maklerprovision sollten, ergänzend zum Kaufpreis, immer noch Kosten für Unvorhergesehenes berücksichtigt werden und zwar mindestens 10 % der Gesamtkosten. Da kann ich aus Erfahrung sprechen. Bei mir war z. B. ein sehr langer Graben für den Stromanschluss notwendig, weil der auf das Grundstück vorgestreckte Anschluss extrem weit weg vom Hausanschlussraum liegt. Das führte zu erheblich höheren Tiefbaukosten.

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Meine Entscheidung PRO Wohneigentum

Ich habe meine Entscheidung für den Hausbau jedenfalls nicht bereut, auch wenn sich meine private Situation seither komplett verändert hat. Es ist nicht einfach die Kreditraten alleine zu stemmen und mindestens genauso schwer ist es, sich um alles alleine zu kümmern. Neben einem Fulltime-Job den Haushalt zu schmeißen und einen großen Garten zu pflegen, ist extrem zeitintensiv. Aber bisher hat es funktioniert. Und es ist einfach ein komplett anderes Gefühl, wenn man in seinen eigenen vier Wänden wohnt. Am meisten genieße ich es im Sommer, auf der Terrasse zu sitzen. Das sind die Momente, in denen ich stolz bin auf das, was ich geleistet habe. Außerdem darf man nicht vergessen, dass das Wohneigentum quasi die Altersvorsorge ist. Ich würde daher empfehlen, wenn es aus finanzieller Sicht Sinn macht und ihr mit dem Gedanken spielt, euch etwas eigenenes zuzulegen, traut euch!

Ein Zuhause ist nicht einfach ein Ort, es ist ein wundervolles Gefühl.

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