► Selbstmanagement

Sag NEIN zu anderen und JA zu dir selbst

Manchen Menschen fällt es echt schwer, auch mal NEIN zu sagen. Ich bin oder vielmehr war einer von ihnen. Aber warum fällt es uns so schwer, NEIN zu sagen? Was bedeutet es für uns persönlich, wenn wir zu allem JA sagen und keine Bitte abschlagen? Warum sollte man oftmals lieber NEIN sagen? Diesen Fragen bin ich mal auf den Grund gegangen.

Warum tendieren wir eher zum JA-Sagen?

Bei mir ist es vermutlich der Wunsch gemocht zu werden. Nette, hilfsbereite Menschen, die nie NEIN sagen, mag einfach jeder. Mit dieser Vermutung liege ich nicht so ganz daneben, oder? Aber müssen wir uns durch unsere Hilfsbereitschaft wirklich unsere Anerkennung und Zuneigung von anderen erkaufen? Wenn wir das tatsächlich glauben, dann kompensieren wir durch unser Helfersyndrom doch nur unsere Minderwertigkeitsgefühle. Andernfalls schmeichelt uns die Tatsache, dass wir gefragt werden, weil wir uns dann wichtig fühlen. Oft drängt uns auch nur unser Pflichtbewusstsein dazu, JA zu sagen, da uns ansonsten das schlechte Gewissen quält und wir niemanden hängen lassen wollen. Manchmal haben wir aber einfach nur das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn wir nicht überall mit von der Partie sind. Doch am Ende sind wir mit unserem JA nicht wirklich glücklich, zwar ist das Pflichtbewusstsein gestillt, es kommt kein schlechtes Gewissen auf, aber irgendwie fühlen wir uns ausgenutzt und manipuliert.

Also warum nicht auch mal NEIN sagen?

Ganz einfach, weil wir Angst haben.

  • Wir haben Angst davor als unkollegial oder faul zu gelten.
  • Wir haben Angst vor Ablehnung.
  • Wir haben Angst davor, Freunde zu verlieren.
  • Wir haben Angst, jemand vor den Kopf zu stoßen.
  • Wir haben Angst davor, etwas zu verpassen.

Wir haben einfach Angst vor negativen Konsequenzen, die aus einem NEIN resultieren könnten. Aber haben wir es überhaupt schon ausprobiert? Hat ein NEIN wirklich ausschließlich negative Konsequenzen?

Die positiven Konsequenzen des NEIN-Sagens und die negativen Konsequenzen für JA-Sager

Wer immer zu allem JA und Amen sagt, zahlt dafür einen hohen Preis, da dies sehr bald zu einer persönlichen Überlastung führt. Man vernachlässigt teilweise seine eigenen Aufgaben und ist durch die hohe Belastung fehleranfällig. Außerdem habe ich des Öfteren bereits die Erfahrung gemacht, dass JA-Sager weniger respektiert werden, als solche, die auch mal NEIN sagen. Ich finde das zwar traurig, aber das ist tatsächlich so oder habt ihr nicht manchmal auch den Eindruck? Es ist vermutlich wie bei so vielem: was leicht zu haben ist, hat weniger Wert. Da JA-Sager ständig versuchen, es allen recht zu machen, werden sie oft ausgenutzt. Das habe ich am eigenen Leib zu spüren bekommen. Gedankt bekommt man es kaum, alles wird als selbstverständlich angesehen.

Manchmal muss man eben NEIN sagen, schon allein zum Selbstschutz. Man muss dadurch sich und anderen Grenzen setzen. Man muss sich klar machen, dass die eigenen Bedürfnisse nicht weniger wichtig sind als die Bedürfnisse anderer. Das ist weder herzlos noch egoistisch. Wer öfter NEIN sagt, gewinnt dadurch an Freiheit, Zeit für sich selbst und offenbart mentale Stärke.

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Wie lernt man NEIN zu sagen?

Wie so vieles ist das ein Lernprozess. Es wird nicht von heute auf morgen funktionieren. Man muss teilweise hart an sich arbeiten und seine Einstellung zu sich selbst ändern, das Selbstwertgefühl stärken. Aber natürlich gibt es auch hierfür ein paar Tipps, die mir dabei geholfen haben:

  1. Nicht zu schnell antworten, sich selbst eine kurze Bedenkzeit nehmen und die Bitte zuerst abwägen. Was wird von mir verlangt? Für wen soll ich das tun? Habe ich überhaupt die Zeit, das zu tun? Es gibt Dinge, die einem leichtfallen und in kurzer Zeit erledigt sind. Es gibt Personen, denen man sich mehr verpflichtet fühlt als anderen. Diese Überlegungen sollte man alle in die Entscheidung miteinbeziehen und erst nach reifer Überlegung antworten.
  2. Sich bewusst werden, warum es mir schwerfällt, NEIN zu sagen. Man muss aufpassen, dass man sich nicht überrumpeln lässt und nur auf Schmeicheleien reinfällt. Hat man etwa Mitleid oder gar Schuldgefühle und möchte deshalb nicht ablehnen? Aus diesem Blickwinkel heraus abwägen, ob nicht doch ein NEIN die für mich persönlich bessere Antwort wäre.
  3. Was bedeutet es für mich persönlich, wenn ich JA sage? Welches Opfer muss ich dadurch bringen? Ist es mir das wert? Kann ich die Zeit nicht sinnvoller für mich selbst nutzen? Bedeutet ein JA Stress für mich persönlich? Dann ist ein NEIN auf alle Fälle die bessere Option, auch wenn es im ersten Moment unangenehm ist.
  4. Auf nette Art und Weise NEIN sagen ohne den anderen zu verletzen. Viele Mitmenschen haben verdient, dass man Verständnis für ihre Bedürfnisse zeigt, aber man muss ihnen verdeutlichen, dass die eigenen Bedürfnisse im Moment Vorrang haben und ebenfalls um Verständnis bitten. Gegebenenfalls kann man Alternativen oder Gegenvorschläge anbieten und damit zeigen, dass man im Grunde helfen will.
  5. Der wichtigste Punkt ist allerdings, Standhaft zu bleiben. Wenn einmal die Entscheidung für ein NEIN gefallen ist, dürft ihr nicht einknicken, egal wie sehr der andere bittet und bettelt.

Noch mehr Tipps erhaltet ihr auf folgenden Internetseiten:

https://karrierebibel.de

https://selbstvertrauen-fuer-frauen.de

https://www.zeitzuleben.de

pawel-czerwinski-724840-unsplashWas man anstatt eines NEINs auf keinen Fall tun sollte, Ausreden oder Notlügen erfinden. Kommt die Wahrheit irgendwann ans Licht, verliert man seine Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der anderen. Das ist am Ende viel schwerwiegender als der kurzfristige Unmut nach einem klaren NEIN.

Sicherlich leidet nach dem ersten NEIN kurzzeitig die Harmonie, die Atmosphäre ist angespannt, da die anderen diese Reaktion einfach nicht von euch gewohnt sind und man bekommt zu hören: „Aber du hast das bisher doch immer gemacht!“ Und genau das hat jetzt ein Ende!

Ein NEIN zeugt von einem gesunden Selbstwertgefühl, von Selbstliebe und Selbstachtung (siehe hierzu auch Mein Weg zu einem besseren Selbstwertgefühl). Allerdings soll dieser Artikel keine Aufforderung dazu sein, ab sofort zu allem NEIN zu sagen.

Wie reagiere ich selbst auf ein NEIN von anderen?

Habt ihr euch darüber schon einmal Gedanken gemacht? Ich jedenfalls bin vielleicht kurzzeitig über ein NEIN enttäuscht, das legt sich aber ziemlich schnell wieder. Es führt jedenfalls nicht dazu, dass ich den anderen weniger mag oder schätze. Wenn derjenige das NEIN nachvollziehbar begründet, bin ich nicht mal sauer. Das ein oder andere Mal war ich vielleicht sogar beeindruckt von einem NEIN, weil ich für mich gedacht habe: „Da hätte ich mich jetzt aber nicht getraut NEIN zu sagen.“

Spätestens das sollte uns die Angst nehmen, selbst ab und zu NEIN zu sagen. Und glaubt mir, das kann auch wirklich befreiend sein.

Lerne NEIN zu sagen, umso mehr wird dein JA geschätzt.

3 Gedanken zu „Sag NEIN zu anderen und JA zu dir selbst“

  1. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag Kerstin! Ich habe immer das Problem das ich, wenn ich Nein zu Jemandem sage, selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist um die es geht und ich auch weiß, dass es der anderen Person jetzt auch nicht wichtig ist – ich dennoch immer ein total schlechtes Gewissen habe.
    Vielleicht lerne ich ja mit der Zeit besser damit umzugehen.
    LG
    Janine
    janineblogt.com

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Janine, das kenne ich nur zu gut, mich plagt auch immer das schlechte Gewissen. NEIN sagen muss man echt trainieren, zumindest wenn man so gestrickt ist wie ich und du. Aber manchmal muss und darf man einfach mal an sich selbst denken. Da ist meist keiner nachtragend, wenn man ab und zu NEIN sagt.
      LG Kerstin

      Gefällt 1 Person

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