Stories of my life

Mein persönliches Weihnachtsmärchen

Es war einmal eine Mutter, die hatte zwei Töchter, welche beide fernab von zu Hause wohnten und ihre Mutter nur noch an Weihnachten besuchten. An Heiligabend wurde bei dieser kleinen Familie aber nicht nur das Weihnachtsfest gefeiert sondern auch der Geburtstag der Mutter. Sie war sozusagen ein Christkind.

Alle Jahre wieder, so auch in diesem Jahr, kamen die Töchter also zu Besuch ins weit entfernte Neuthard. Die jüngere der beiden Töchter, nennen wir sie im Folgenden „Goldmarie“, wohnte bei ihrem Prinzen und war seitdem die alltäglichen Hausarbeiten nicht mehr gewohnt. Dennoch wurde auch sie dieses Jahr an Weihnachten verpflichtet, der Mutter bei den festlichen Vorbereitungen zur Hand zu gehen. Die zweite Tochter, nennen wir sie „Aschenputtel“, kannte gar nichts anderes als tagtäglich schwer zu arbeiten, um ihr Brot zu verdienen. Sie hatte ihren Prinzen noch nicht gefunden.

So war es an einem frühen Montagmorgen als Aschenputtel überpünktlich wie immer bei der Mutter an der Haustür klingelte. Goldmarie ließ noch einige Zeit auf sich warten. Schließlich war Pünktlichkeit nicht ihre wertvollste Tugend. Als auch sie eingetroffen war, arbeitete Aschenputtel bereits fleißig bei der Vorbereitung der Wurstplatten. Goldmarie zog es vor, zuerst die Fingernägel zu lackieren, wozu sie aufgrund ihres ausgedehntes Schönheitsschlafes bisher noch keine Zeit gefunden hatte. Zuerst wurde rote Farbe aufgepinselt, danach diese mit Klarlack versiegelt, um dann noch weitere 15 Minuten damit zu verbringen, den Lack trocknen zu lassen. Welch ein Pech für Goldmarie, dass ihre Schwester Aschenputtel so fleißig und flink war, dass die Platten bereits fertig gerichtet waren.

Da für Aschenputtel das Wort „Ausruhen“ ein Fremdwort ist und sie – selbstlos wie sie ist – auch an ihre Mitmenschen denkt, hat sie sich gleich daran gemacht, der ganzen Welt via Instagram „Frohe Weihnachten“ zu wünschen. Als es kurz darauf an der Tür läutete und die Verwandtschaft um Einlass bat. Zu Ehren der Mutter wurde eine Flasche des edelsten Sektes geköpft und dazu Lachshäppchen serviert. Goldmarie ließ es sich gut gehen und verspeiste die Hälfte der Lachshäppchen alleine. Während Aschenputtel den anderen den Vortritt ließ und wartete und hoffte, dass etwas übrigblieb. Für Aschenputtel gab es statt Sekt Wasser, was Aschenputtel allerdings nicht schlimm fand: Wasser ist schließlich gesünder.

Nachdem das Thema Nummer eins – Kinder und Enkelkinder – ausdiskutiert war, verließ die Verwandtschaft die Mutter und die zwei Töchtern wieder in Richtung der eigenen Familien. Aschenputtel fühlte sich nach dem Besuch schlecht, schließlich konnte sie weder Kind noch Prinz vorweisen und das schien ihr in Zukunft auch aussichtslos zu sein. Auch der gut gemeinte Rat sich bei „Parship“ anzumelden sorgte nicht für Aufmunterung, ganz im Gegenteil. Goldmarie hatte schon recht, zu Aschenputtel gab es wohl einfach keine „best matches“.

Am Nachmittag folgte der nächste Besuch, der Bruder der Mutter und seine Frau schauten vorbei. Diese waren in der Nacht abermals Großeltern geworden. Es war also ein weiteres Christkind geboren worden. Das Thema der folgenden Unterhaltung – wie könnte es auch anders sein – Kinder und Enkelkinder. Auch hier fühlte sich Aschenputtel einmal mehr fehl am Platz, musste das Gespräch aber trotzdem über sich ergehen lassen.

Am Abend kam schließlich Goldmaries Prinz zum noblen Weihnachtsdinner vorbei. Die Mutter war ganz nervös und hatte extra für diesen Anlass eine neue fettfreie Friteuse besorgt, in der sie zum ersten Mal Kroketten in Form von Herzoginkartoffeln zubereiten wollte. Verzweifelt bat sie ihre Töchter um Rat, allerdings hatte keine der beiden Erfahrung mit solch einer Friteuse. Diese Hightech-Friteuse hatte alles nur kein Kroketten-Programm, also wählte die Mutter das Pommes-Programm. Das Resultat dieser Wahl waren schwarz gebrannte, festgeklebte Herzoginkartoffeln. Die Mutter ärgerte sich maßlos und schämte sich dafür, dem Prinzen so etwas aufzutischen. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass es noch schlimmer kommen sollte.

Zum einen wollte sich die Packung mit der Fertigsoße partout nicht öffnen lassen, so dass Aschenputtel letztendlich mit dem Messer hineingestochen hat und ein Großteil der Soße auf den Boden spritzte. Aber Aschenputtel war es ja bereits gewohnt, immer alles falsch zu machen. Ihre Schwester Goldmarie lebte nach dem Prinzip, wenn ich nichts mache, mache ich schon nichts falsch. Am Ende kam es dann zum negativen Showdown des Abends: Das Putenfilet im Brokkolimantel war innen teilweise roh, obwohl es gemäß Anleitung ausreichend lange im Ofen gebrutzelt hatte. Das führte zu dem Problem, dass die Herzoginkartoffeln und die Soße jetzt zwar noch heiß waren … aber dann nicht mehr, wenn das Fleisch nochmal in den Ofen musste. Die Mutter wollte sich nicht eingestehen, dass alle drei keine Johann Lafers waren. Den Prinzen hat das am Ende am wenigsten gestört. Es ist schließlich der Wille, der zählt. Nichtsdestotrotz hatte jeder eine warme Mahlzeit erhalten und keiner musste hungern.

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Nach dem Abendessen folgte die Bescherung und wie beschenkt man die Prinzessin mit ihrem Prinzen? – Natürlich mit edlem Schmuck. Aber auch Aschenputtel musste nicht leer ausgehen, sie erhielt einen Backofenreiniger. Dazu kam noch eine Faszienrolle, damit Aschenputtel in Form bleiben und nicht zu dick werden würde. Die Mutter hatte wohl die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass auch Aschenputtel ihren Prinzen finden würde.

Doch am Ende war Aschenputtel über ihre Geschenke weitaus glücklicher als all die anderen. Da Aschenputtel Reichtum nicht in Form von materiellen Dingen wertet.

Nicht der Reichste ist der Glücklichste. Der Glücklichste ist der Reichste.

So oder so ähnlich mag sich dieses Märchen zugetragen haben. Die handelnden Personen sind dabei natürlich frei erfunden 😉 Aber liegt nicht auch in jedem Märchen ein Fünkchen Wahrheit? Jedenfalls hoffe ich, dass ihr euch die Moral von der Geschichte zu Herzen nehmt. Außerdem hoffe ich, dass ihr – meine liebe Mama und meine liebe Schwester –  mir nicht böse seid und das Märchen mit Humor nehmt 🙏

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