Selbstmanagement

Teufelskreis Social Media Sucht

Über das Thema Social Media und digitales Zeitalter habe ich bereits in den Artikeln Digital Detox als auch I bims, euer Homie aus einer anderen Zeit geschrieben. Weil es ein Thema ist, das einem als Blogger noch mehr begleitet oder gar beherrscht als den „Otto-Normal-User“. Bevor ich mit meinem Blog begonnen habe, stellten für mich die sozialen Medien nie ein Problem dar. Ich war immer eine der letzten, die sich irgendwo einen Account zugelegt hat und das nur, um mich bei meinen Gruppen im Freundeskreis up-to-date zu halten. Selbst zu Beginn von LiWoBa war mir nicht bewusst, wie schnell sich der Stellenwert von Social Media in meinem Leben verändern sollte. Und schließlich ist das passiert …

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So sieht mittlerweile ein ganz normaler Tagesablauf bei mir aus:

5:50 Handywecker klingelt. Flugmodus abschalten, WordPress-Statistik, Facebook-Feed und Instagram checken … nur um wieder einmal festzustellen, dass während den letzten 6 Stunden die virtuelle Welt ebenfalls geschlafen hat. Was sagt die Wetter-App? Ok, auch nichts anderes als vor dem Einschlafen.

5:55 Frühstücken. Das Handy bleibt im Schlafzimmer. Entzugserscheinungen: noch keine!

6:55 Ankunft im Büro. Schnell nochmal einen Blick in die WordPress-Statistik werfen, bevor ich mich zwinge, den Flugmodus einzuschalten. Heute ist ein disziplinierter Tag, d. h. der Flugmodus bleibt bis zur Mittagspause aktiv. Meistens stehe ich das nicht durch und spätestens um 10 Uhr hat die Neugier/Sucht gesiegt.

12:00 Mittagspause mit einem halbstündigen Spaziergang ganz bewusst OHNE Handy. Bevor der zweite Teil des Arbeitstages beginnt, werden natürlich nochmal die sozialen Medien gecheckt. An einem Trainingstag bleibt das Handy mittags an, damit ich rechtzeitig informiert bin, wenn das Fußballtraining wieder mal ausfällt. Ablenkung und Frustpotenzial: sehr hoch!

16:00 Feierabend. Ankunft zu Hause. Handycheck, um festzustellen, dass Restdeutschland ebenfalls arbeiten war und sich die Online-Aktivitäten in Grenzen hielten.

17:00 Kochen und Abendessen mit Handy als ständigem Begleiter. Die Gedanken kreisen um den nächsten Post und die passenden Hashtags. Gar nicht gut, das Essen läuft so nebenher … Was gab es eigentlich zu essen? 😉

17:30 Post abgeschickt.

17:31 Mal nachschauen, wer es bereits alles gelesen und geliked hat.

17:40 Mal nachschauen, wie viel Likes es jetzt sind. Enttäuschung, weil es gerade mal 5 Leute gesehen haben. Ja, sind denn jetzt nicht alle online, was machen die nur?

18:30 Nach weiteren Traffic-Checks schließlich Telefonat führen und gleich mal Freunde fragen, ob sie schon den neuen Post gelesen haben. Was? Nein! Was sind denn das für Freunde? Frustration wieder leicht erhöht.

19:05 Berlin – Tag & Nacht schauen. Frustration noch hoch genug, um das Handy erst einmal nur aus der Ferne zu betrachten.

19:25 Werbung, wo habe ich das Handy nur wieder hingelegt?

20:15 Zeit, mich meinem Blog zu widmen. War ich in Gedanken nicht ohnehin seit mindestens 3 Stunden bei LiWoBa? Wie steigere ich meinen Traffic? Wie bekomme ich neue Follower und noch mehr Likes???

20:30 Immer noch kein Thema für den nächsten Blogpost gefunden. Oh je, ich könnte in eine kreative Blockade verfallen. Außerdem fällt mir ein, ich brauche dringend neue Fotos. Muss mich schon wieder bei WordPress und Unsplash bedienen.

22:15 Chaos im Kopf, müde, ausgebrannt und komme trotzdem nicht zur Ruhe. Hilft nur noch fernsehen bis ich schließlich auf der Couch einschlafe = Handy freie Zeit!

0:00 Allerhöchste Zeit, um ins Bett zu gehen. Nochmal einen Blick aufs Handy werfen – eigentlich nein. Gewissenskonflikt. Die Neugier siegt. Aber jetzt den Flugmodus aktiv schalten. Gute Nacht!

0:30 Kann mal wieder nicht einschlafen wegen diesem blöden Handy/Social Media-Gedöns! BigFM Nightlounge hören bis letzten Endes die Erschöpfung mich doch übermannt.

So oder so ähnlich sieht mein momentaner Tagesablauf aus. Und eins ist klar, so kann es nicht weitergehen. Leider sage ich mir das jeden Tag immer wieder aufs Neue. Erkennt ihr bei euch ähnliche Verhaltensmuster oder könnt euch mit der folgenden Grafik identifizieren?

181104_Suchtgrafik

Auswirkungen der Social Media Sucht

Ich würde nicht von mir behaupten, dass mir Likes und Follower wichtiger sind als Freunde und dennoch ertappe ich mich hin und wieder dabei, wie ich während einer Unterhaltung auf mein Smartphone schaue. Außerdem bin ich mir sicher, dass ich meine Freunde damit auf die Nerven gehe, wenn ich ständig über meinen Blog, Facebook, Instagram und Pinterest rede und ich tue es dennoch. Mein Smartphone ist mein ständiger Begleiter, ich bekomme zwar keine Schweißausbrüche, wenn ich es mal vergesse, aber ein komisches Gefühl ist das schon. Wenn jemand beim Vergessen des Smartphones Panik bekommt, nennt man das übrigens „Nomophobie“ (no mobile phone phobia). Erwiesen ist auch, dass die Smartphone- bzw. Social Media Sucht zu Konzentrationsschwierigkeiten und Schlaflosigkeit führt. Die Produktivität leidet, was natürlich in Schule und Beruf verheerend ist.

Ich muss gestehen, dass sich diese Symptome so langsam bei mir einstellen. Man kann zudem mit zunehmender Abhängigkeit unter Bluthochdruck und Diabetes leiden. Im Gegensatz zur Drogensucht oder Alkoholsucht ist die Social Media Sucht allerdings keine sogenannte substanzgebundene Sucht und körperliche Schäden sind eher selten. Eine Social Media Sucht ist eher hinsichtlich sozialer Integrität schädlich und mit einem Burnout-Zustand zu vergleichen. Der fortschleichende Rückzug aus dem realen Leben kann somit in Depressionen enden. Besonders gefährdet sind Personen, die Probleme haben, in der Realität Freunde zu finden.

Was führt zur Social Media Sucht?

Trotz der Gefahren und dem Bewusstsein des zwanghaften Handelns kommen viele nicht davon los. Aber warum ist das so? Warum muss ich jede Aktion sofort posten oder dazu eine Insta-Story erstellen? Warum muss jede Mahlzeit mit der ganzen Welt geteilt werden (#foodporn)? Sind die Likes so wichtig für mein Ego und was ist, wenn die Likes ausbleiben? Dann bin ich enttäuscht und frustriert, weil ich keine Anerkennung bekomme.

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Letzte Nacht bei offenem Fenster geschlafen. 198 Mücken gefällt das! 🤣

Das Verlangen nach Likes ist gleichzusetzen mit dem Verlangen nach Schokolade. Beides setzt das Glückshormon Dopamin frei, was zu einer Abhängigkeit und schließlich zur Sucht führt. Folglich muss sich der Mensch, genau wie bei Schokolade auch, disziplinieren und wie das geht, könnt ihr unter Digital Detox nachlesen. Und genau das werde ich jetzt ebenfalls tun und mich von nun an strenger an die Punkte halten. Nur mit äußerster Selbstdisziplin kann das funktionieren. Und lieber jetzt als zu spät mit dem Entzug beginnen, bevor man die Kurve nicht mehr kriegt und den Weg aus dem Teufelskreis nicht mehr selbständig schafft. Ob und wie stark ihr bereits von der Social Media Sucht befallen seid, erfahrt ihr bei folgenden Selbsttests:
https://www.vigo.de
https://virtual-addiction.com (zwar auf Englisch, den fand ich aber am besten)

Was mich persönlich total erschreckt hat, nachdem ich mich intensiv mit dem Thema „Social Media“ auseinandergesetzt habe, dass man für Likes und Follower bezahlen kann. Es gibt tatsächlich Anbieter, die Likes und Follower verkaufen. Spätestens jetzt solltet ihr erkennen, was Likes wirklich wert sind. Mag sein, dass es dann Sinn macht, wenn man Facebook oder Instagram gewerblich nutzt, aber für eine Privatperson??? Man belügt sich doch nur selbst. Was nützt es, sich bei Facebook und Instagram ständig mit anderen zu vergleichen, indem man Likes und Follower zählt? Und lohnt es sich wirklich bei wenigen Likes enttäuscht zu sein? Ist man dadurch weniger wert oder weniger beliebt? Fragt mal eure richtigen realen Freunde, solange ihr noch welche habt. Seid dankbar für eure Freunde und schenkt ihnen mehr Zeit anstatt diese an Facebook, Instagram & Co zu verschwenden. Natürlich braucht man nicht ganz darauf verzichten, schließlich macht es ja auch Spaß. Man sollte es aber, wie alles andere auch, in einer gesunden Dosis verwenden.

Offline is the new luxury.

3 Gedanken zu „Teufelskreis Social Media Sucht“

  1. Likes und Follower sind ja am Ende auch immer nur einem erfolgreichen Marketing zu verdanken – weniger den Inhalten. Das ist schade, aber letztlich ist es das eben… Ich finde mich auch ein bisschen in deinem Beitrag wieder – nur dass ich niemals bis 0:30 Uhr wach bleiben könnte. Du kommst ja nicht einmal auf 6 Stunden Schlaf pro Nacht 😮

    Gefällt 1 Person

    1. Das ist in der Tat etwas wenig Schlaf, aber man gewöhnt sich daran. Ich weiß natürlich, wie ungesund das ist. Ich muss unbedingt wieder mehr darauf achten. Nur irgendwie hängt das alles zusammen. Aber wie sagt man, Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung.
      Vielen Dank für deinen Kommentar und LG

      Gefällt 1 Person

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