Selbstmanagement

The show must go on

Ich bin wieder zurück und das gleich mit einem nagelneuen Blogpost und was würde da besser passen, als sich mit dem Thema „Neuanfang“ zu befassen. Dieser Artikel ist quasi wie ein Neuanfang für mich und ein Zeichen dafür, dass ich einmal mehr nicht aufgegeben habe. Auch wenn die Enttäuschung darüber, dass Stefan ausgestiegen ist, anfänglich riesengroß war. Aber ich habe mich in meinem bisherigen Leben von ganz anderen Rückschlägen erholt. Das wäre ja gelacht, wenn das dieses Mal nicht funktionieren würde. Vielleicht ist Bloggen mittlerweile wie eine kleine Sucht für mich geworden, der ich mich nicht so einfach entziehen kann, aber in diesem Fall ist das ja nichts Schlechtes.

20180804_175630.jpg

Ich habe schon mehrmals im Laufe meines Lebens festgestellt, dass Aufgeben keine Option ist. Es muss ja irgendwie weitergehen, also ist es besser, man rappelt sich schnellst möglich auf und gibt dem Leben eine weitere Chance. Außerdem ist unsere Zeit auf Erden dermaßen beschränkt, was einem immer klarer wird, je älter man ist. Warum also diese kostbare Zeit vergeuden, indem man sich in Selbstmitleid ertränkt? Viele, die bereits schwere Schicksalsschläge hinter sich haben, werden denken, die hat leicht reden. Was ist ihr denn Schlimmes passiert? Eine Prüfung verhauen, eine Kündigung erhalten oder etwa eine den Mercedes der Eltern geschrottet? Etwas davon ist mir zwar tatsächlich schon passiert, aber ich rede von schlimmeren Rückschlägen. Zwei davon hätten es beinahe geschafft, mich komplett aus der Bahn zu werfen und zwar als mein Vater starb bzw. die ganze Situation davor und danach und als ich erfahren habe, dass ich keine Kinder bekommen kann. Zwei Situationen, bei denen ich selbst nicht die Macht darüber hatte, sie zu ändern. Die ich einfach geschehen lassen musste und diese Erfahrung war brutal.

Mittlerweile denke ich, sie haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin: ein Kämpfer und mental extrem stabil. Jetzt muss ich nur noch lernen, aus den gegebenen Umständen eine gewisse Zufriedenheit zu entwickeln und zu genießen, was ich habe und nicht dem nachzutrauern, was ich gerne hätte, aber nicht haben kann. Das ist wohl die Kunst des Lebens.

Wie habe ich es geschafft, diese Krisen zu meistern und nicht zu resignieren und den Lebensmut zu verlieren? Anfänglich war ich natürlich niedergeschlagen, habe mich in Selbstmitleid gesuhlt, wollte es schlichtweg nicht akzeptieren, dass ich nicht über alles die Kontrolle haben kann, was in meinem Leben passiert. Doch irgendwann muss man an den Punkt kommen und das akzeptieren. Dann muss die Resignation der Zuversicht weichen. Man muss sich selbst Mut machen, indem man erkennt, dass Krisen auch immer wieder neue Chancen bieten. Ganz wichtig ist es aus meiner Sicht, sich Freunden oder Verwandten anzuvertrauen. Vielleicht hat jemand im Bekanntenkreis etwas ganz ähnliches erlebt, so dass man sich austauschen kann. Jemand, der einem zeigt, dass es einen Weg aus der Depression und der Verzweiflung gibt. Oder man hatte selbst bereits Erfahrungen mit Rückschlägen. Dann sollte man sich daran erinnern, dass und vor allem wie man es damals geschafft hat. Ich selbst brauche ein, zwei enge Vertraute, mit denen ich über alles reden kann. Denn oft hilft mir allein schon das Reden bzw. das Zuhören meines Gegenübers. So kann ich das Geschehene verarbeiten und nach vorne schauen. Trotzdem gibt es immer wieder Tage, an denen ich auch heute noch nachdenklich und traurig bin. Ich denke, das ist OK und ganz normal, solange es sich auf einzelne Tage beschränkt und es in keine längere Depressionsphase ausartet.

Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, dass ich keine Langfristplanungen mehr für Dinge mache, die ich nicht zu 100% beeinflussen kann. Das erspart mir hoffentlich so manch größere Enttäuschung und Sinnkrise. Wenn ich nämlich mein Leben rückwirkend betrachte, ist es nicht annähernd so verlaufen wie geplant. Ich habe jetzt zwar mein Traumhaus mit einem schönen großen Garten aber nicht die Familie dazu. Nun liegt es an mir, aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen und da bin ich gerade dabei. Ich kann euch sagen, das ist harte Arbeit. Das heißt letztendlich lebe ich momentan so ein bisschen von einem auf den anderen Tag. Das widerspricht zwar komplett meinem Naturell, aber noch funktioniert es und es geht mir ganz gut damit.

Da ich persönlich sehr viel hinterfrage und ein leichtes Faible für Psychologie habe, forsche ich öfter nach den Ursachen z. B. von Depressionen und versuche eine Selbstdiagnose zu stellen. Wer könnte mir da besser helfen als mein guter Freund Google? Also habe ich eine Zeit lang nach Lektüre zum Thema „Depression“ bzw. „Depressionen überwinden“ gesucht. Auch das hat mir ein Stück weit geholfen. Vielleicht vor allem deshalb, weil ich feststelle, dass ich nicht allein mit solchen Problemen bin. Wenn ich schließlich sehe, dass andere ihre Krise überwinden, bin ich überzeugt davon, dass ich das auch kann. Schließlich will ich stark sein, also habe ich mich jedes Mal aufgerafft, mir eine neue Aufgabe gesucht, die mich erstmal beschäftigt und ablenkt. Wichtig war mir zudem, dass ich gewisse Routinen aufrechterhalte, dass ich z. B. weiterhin regelmäßig in mein Fußballtraining gehe, mich somit unter Menschen begebe und mich nicht zu Hause verschanze. Dass ich mir zumindest etwas Normalität bewahre, die mir Halt gibt.

Allerdings gilt mein „seelischer Maßstab“ nicht für alle. Es gibt nämlich Menschen, die sich schneller von Schicksalsschlägen und Krisen erholen. Sie haben quasi ein besseres emotionales Immunsystem – so wie ich vermutlich. Andere leiden länger darunter oder kommen schlimmstenfalls alleine gar nicht mehr aus ihrem Tief heraus und sollten/müssen sich professionelle Hilfe holen.

person holding hour glass

Krisen zu meistern und einen Neuanfang zu starten fällt definitiv leichter, wenn man eine positive Grundeinstellung dem Leben gegenüber hat, weiterhin an seine Fähigkeiten und sich selbst glaubt. Seht die Krise als Herausforderung und den besten Zeitpunkt für einen Neuanfang. Vielleicht wolltet ihr schon lange was an euch oder eurem Leben ändern, also warum nicht jetzt? Wenn man bereits am Boden liegt, kann es nur noch aufwärts gehen. Daher lautet mein Motto: Was mich nicht umbringt, macht mich nur noch stärker! Das hat sich bisher immer bewahrheitet.

Und mal ehrlich, was wäre das Leben ohne Herausforderung – ziemlich langweilig, oder nicht? Natürlich gibt es auch Schicksalsschläge, die einem vor ganz besondere Herausforderungen stellen, wie z. B. der Umgang mit einer schweren Krankheit. Ich wünsche jedem einzelnen von euch, dass er davon verschont bleibt und schätzt euch äußerst glücklich und dankbar, wenn ihr nicht betroffen seid.

PS: Ursprünglich wollte ich diesem Artikel gar keinen so deprimierenden Touch verpassen und euch eigentlich nur mitteilen, dass ich mit neuem Elan zurück bin! 🌞😎

3 Gedanken zu „The show must go on“

  1. Liebe Kerstin! Du kanst einen schon zum nachdenken bringen…
    Ich hab seit 2003 MS und helfe seit knapp 10 Jahren MS Kranken und merke oft, dass ihnen nur jemand zum reden fehlt und es gelingt mir dann doch oft sie zu stärken, motivieren.
    Psychische Stärke hilft mit vielem fertig zu werden und den passenden Weg für sich zu finden. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Freude am Leben (und mit dem bloggen).
    LG WOLF

    Gefällt mir

    1. Im Prinzip weiß ich ja, dass es mir gut geht und dass es viele Menschen deutlich härter trifft. Man muss sich das nur immer wieder vor Augen führen und zu schätzen wissen und Wege finden, damit umzugehen. Das ist ein Stück weit Lebenserfahrung und ich habe lange gebraucht, um dahin zu kommen. Aber danke für die lieben Worte, ich wünsche dir ebenfalls alles Gute. LG

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s