Ernährung & Gesundheit

Ich bin doch nicht aus Zucker

Obwohl, wenn ich mir meinen Zuckerkonsum vor Augen führe, könnte das glatt zutreffen. Aber nicht nur bei mir ist das so, im Durchschnitt nimmt der Deutsche täglich eine Menge von 34 Zuckerwürfel zu sich. Die Empfehlung der WHO (World Health Organization) beträgt lediglich 25 g Zucker am Tag, das entspricht ungefähr 8 Zuckerwürfeln, d.h. der Zuckerkonsum eines Durschnittdeutschen müsste auf ca. ¼ reduziert werden. Diese Maßgabe ist zwar sehr streng, nichtsdestotrotz leben wir unser Leben definitiv zu „süß“, was auf Dauer gefährlich ist. Ein hoher Zuckerkonsum erhöht nämlich das Risiko, an Adipositas (Fettsucht), Bluthochdruck und Diabetes zu erkranken. Heute ist leider bereits jeder 5. Deutsche fettsüchtig und Diabetes belastet unser Gesundheitssystem mit jährlich 25 Milliarden Euro.

Für viele ist es nicht einfach, dem Zucker zu entsagen, da zähle ich mich selbstverständlich auch dazu. Wenn man es genau nimmt, bin ich eigentlich ein regelrechter Zucker-Junkie. Den Ausdruck „Junkie“ verwende ich hier nicht ohne Grund, denn auch Zucker macht abhängig und ist vielleicht sogar Deutschlands größtes Suchtproblem. Selbst wenn man mir meine Zuckerabhängigkeit äußerlich noch nicht ansieht und ich noch keine Anzeichen von Bluthochdruck oder Diabetes verspüre, weiß ich nicht, wie sehr meine Organe vom Zucker bereits geschädigt sind. Außerdem beschleunigt Zucker das Altern, verursacht Karies und führt zu erhöhtem Krebsrisiko.

Aber was ist Zucker überhaupt und welche Arten von Zucker gibt es?

20180710_205753.jpgSaccharose ist Kristallzucker oder Haushaltszucker, der aus Zuckerrüben, Zuckerrohr oder Zuckerpalmen gewonnen wird. Durch Spaltung von Saccharose entsteht ein Gemisch (Invertzucker), das halb aus Glucose (Traubenzucker) und halb aus Fructose besteht, beides gehört zu den sogenannten Einfachzuckern (Monosaccharide). Diese Art von Zucker sind „leere Kalorien“, sie dienen im Grunde nur als Geschmacksträger und sind daher schlecht für die Gesundheit. Wer oft und viel glukosehaltige Nahrungsmittel zu sich nimmt und noch dazu viel Süßigkeiten nascht, hat über einen längeren Zeitraum einen erhöhten Insulinspiegel. Insulin hemmt die Fettverbrennung, was nur ein Grund dafür ist, warum Zucker so schädlich ist.

Fructose hingegen ist nicht nur Bestandteil des klassischen Haushaltszuckers sondern kommt in großen Mengen in Honig und Früchten vor. Aber auch Fructose ist laut neuesten Erkenntnissen in großen Mengen problematisch, weil es in der Leber zu Fett abgebaut wird. Dabei entsteht die sogenannte „Fettleber“, die gefährliche Folgen wie eine Leberentzündung bis hin zu einer Zirrhose oder Leberkrebs haben kann. Ein Großteil des in der Leber entstandenen Fettes gelangt zurück in den Blutkreislauf und erhöht so die Blutfett- und Cholesterinwerte und wird in den Fettdepots eingelagert. Fructose führt zudem zu einem geringeren Sättigungsgefühl, da sie das Hormon Leptin hemmt. Leptin teil dem Gehirn mit, dass man satt ist. Fructose macht somit gleich in dreierlei Hinsicht dick: (1) Sie wird direkt in Fett umgewandelt, (2) sie verhindert die Fettverbrennung und (3) sie blockiert das Sättigungsgefühl.

Verzichten können wir auf Zucker nicht, denn er ist der wichtigste Energielieferant des Körpers. Unsere Körperzellen bevorzugen Glucose zur Energiegewinnung, da diese mithilfe des Hormons Insulin schneller als Fructose aus dem Blut in die Zellen gelangt. Glucose, die der Körper für Muskeln und Gehirn benötigt, gewinnt er aus Früchten, Gemüse, Reis, Brot, Kartoffeln und Fleisch. Allerdings schmeckt Fruchtzucker/Fructose 2,5 mal so süß wie Glucose. Lebensmittel, die anteilig mehr Fructose als Glucose enthalten, liefern daher mehr Süße bei weniger Kohlenhydraten. Fructose aber bitte nicht in Form von Säften zu euch nehmen und eventuell denken, ihr habt euch dadurch gesund ernährt. Säfte enthalten eine viel zu hohe Konzentration an Fruchtzucker, daher Fruchtsäfte nur sehr dosiert trinken. Wie bereits erwähnt, wer zu viel Fructose verzehrt, schadet seinem Körper nachhaltig. Lieber Früchte wie Äpfel, Orangen, Beeren oder Trauben essen. Zweimal Obst am Tag ist absolut ausreichend. Außerdem kommt Fructose – wer hätte das gedacht – in fast allen Gemüsesorten vor, im Vergleich zu Obst natürlich in wesentlich geringeren Mengen.

Fruchtzucker ist jedoch nicht gleich Fruchtzucker. Für den menschlichen Körper ist es entscheidend, ob er ihn in Form einer Frucht oder als Bestandteil eines Schokoriegels, Fertiggerichts oder eines gesüßten Getränks geliefert bekommt. Bereits mit einer Dose Cola oder einem Glas O-Saft hat man die täglich empfohlene Dosis überschritten. Frische und naturbelassene Nahrungsmittel sind den industriell hergestellten ohnehin vorzuziehen, da sie neben Fruchtzucker wertvolle Bestandteile wie Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien enthalten.

Warum uns Zucker süchtig macht

coffee dark candy chocolate

Hat man mal wieder Stress oder Kummer, hilft oft nur noch der Griff zur Schokolade. Man nimmt sich zwar vor, nur ein Stückchen zu naschen und im Handumdrehen ist die Tafel leer. Ich vermute mal, es geht vielen von euch so. Gegen Süßigkeiten bin ich zwar ziemlich resistent, da bleibt es dann wirklich bei dem einen Stückchen, aber bei Softdrinks werde ich schwach und muss ständig gegen die Gelüste ankämpfen. Nur schmeckt eine Cola nun einfach mal besser als ein Glas Wasser. Was bleibt, ist das schlechte Gewissen, vor allem nachdem ich jetzt weiß, wie schädlich Zucker ist.

Ein Grund für Zuckersucht kann Tryptophanmangel sein, da Tryptophan im Gehirn u. a. in das Glückshormon Serotonin umgewandelt wird. Fehlt es dem Körper an Tryptophan, ist er nicht in der Lage dem Körper das Gefühl der Befriedigung mitzuteilen, so dass das Verlangen nach einer erneuten Zuckerzufuhr entsteht und Zucker macht uns bekanntlich ja glücklich. Nach einiger Zeit erhöhten Zuckerkonsums entsteht eine Toleranz, so dass der Köper nach immer mehr Zucker giert und schon befindet man sich im Teufelskreis der Zuckersucht.

Folgende Symptome können auf eine Zuckersucht hinweisen: Heißhungerattacken, Unfähigkeit zu rationieren, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen sowie Müdigkeit und nicht zuletzt eine Gewichtszunahme. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Teufelskreis der Zuckersucht zu durchbrechen. Sportliche Betätigung sowie eine ausgewogene Ernährung mit geregelter Aufnahme von Vitaminen, der Aminosäure Tryptophan und weiteren Stoffen sorgen dafür, dass sich das Hormon- und Immunsystem wieder einschwingt.

Mehr zu Zuckersucht durch Tryptophan-Mangel findet ihr unter: https://www.tryptophan-ratgeber.info

Da das Thema „Zucker“ heute doch sehr theoretisch war, ich es aber unheimlich wichtig finde, dass man die ganzen Zusammenhänge versteht, packen wir das Ganze im nächsten Beitrag etwas praxisorientierter an. Dann stelle ich euch ein sogenanntes Ernährungsprotokoll vor, dass ich natürlich auch für mich persönlich ausgefüllt und analysiert habe. Ich kann euch vorab sagen, dass das Ergebnis niederschmetternd war 😦 und mich regelrecht in die Verzweiflung trieb, aber dazu nächsten Dienstag mehr.  Gerade deshalb wollen wir euch mit Tipps dabei unterstützen, euren Zuckerkonsum zu reduzieren und meinen eigenen selbstverständlich auch. Denn nichts ist wichtiger als die Gesundheit. Es wäre also schön, wenn ihr am kommenden Dienstag wieder auf unserem Blog vorbeischaut.

Folgendes Video https://www.planet-wissen.de zum Thema Zucker möchte ich euch noch ans Herz legen. Neben Expertenmeinungen und Ratschlägen enthält es u. a. einen Bericht, wie eine vierköpfige Familie für 4 Wochen die WHO-Empfehlung mit einer Zuckerdosis von maximal 25 g in die Praxis umsetzt. Das Video geht insgesamt zwar eine Stunde, aber die Zeit ist wirklich gut investiert!

3 Gedanken zu „Ich bin doch nicht aus Zucker“

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