Selbstmanagement

Gemeinschaft – funktioniert alleine nicht!

Heute schreibe ich mal über ein Thema bzw. ein Problem, das mich zur Zeit ganz besonders beschäftigt und wofür ich immer noch nach Lösungen suche. In Gestresst habe ich andeutungsweise schon über dieses Problem berichtet. Es geht um meine Mitmenschen – Kollegen wie auch Mannschaftskameraden im speziellen. In letzter Zeit beobachte ich Menschen, mit denen ich viel zu tun habe, sehr genau. Ich analysiere ihr soziales Verhalten und bewerte das im Sinne der Gemeinschaft. Das klingt jetzt vielleicht so, als wolle ich Hobbypsychologe spielen. Aber im Prinzip will ich nur, dass die Gemeinschaft funktioniert, sei es im Büro oder auf dem Fußballplatz. Leider habe ich das Gefühl, dass das Miteinander immer mehr bröckelt. Ich will jetzt gar nicht die Ursachen dafür erforschen, sondern eine Lösung für mich finden, wie ich damit umgehen kann, ohne mich ständig darüber aufzuregen. Teilweise steigere ich mich da dermaßen rein und das tut mir nicht gut.

Vielleicht sollte ich euch erst etwas über mich und meine Ideale erzählen, damit man mich und meine Situation besser verstehen kann. Ich bin ein sehr disziplinierter, äußerst zuverlässiger Mensch, der Regeln stets befolgt. Ich verfolge nämlich nicht die Ansicht, Regeln sind dafür da, gebrochen zu werden. Ganz im Gegenteil, Regeln sind dafür da, damit eine Gemeinschaft funktioniert. Außerdem habe ich einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und vermutlich mal wieder zu viel Zeit zum Nachdenken. Jedenfalls passen meine Ideale anscheinend nicht mehr zur heutigen Gesellschaft, zumindest nicht in mein derzeitiges Umfeld. Vermutlich bin ich zu altmodisch und da ich die Gesellschaft nicht ändern kann, muss ich mich eben ändern bzw. anpassen. Und dieser Anpassungsprozess fällt mir gerade verdammt schwer.

Am besten ich benenne mal ein paar Beispiele dafür. Pünktlichkeit wird nicht nur in der deutschen Sprache großgeschrieben, sondern insbesondere auch bei mir. Ich habe immer gedacht, Pünktlichkeit ist eine deutsche Tugend. Meine Erfahrungen sind mittlerweile ganz andere: Setzt du bei uns in der Fußballmannschaft die Trainingszeiten von auf 19:00 Uhr auf 19:30 Uhr, weil viele lange arbeiten müssen, sind dieselben Personen, die sonst immer 5 min nach 19 Uhr auf dem Platz stehen, eben dann erst um 19:35 Uhr trainingsbereit. In diesem Fall ist das keine für mich nachvollziehbare Verspätung, die durch äußere Umstände verursacht wurde, sondern mangelndes Selbstmanagement bzw. Trödelei. Oder aber Pünktlichkeit wird in diesem Fall einfach nicht als wichtig genug empfunden, um sich daran zu halten. Es wird vermutlich auch nicht darüber nachgedacht, wie diese Unpünktlichkeit bei den Teamkameraden ankommt. Ähnlich ist die Handhabung unserer Kernarbeitszeiten auf der Arbeit, eigentlich von 9:00 Uhr bis 15:30 Uhr. Es gibt Personen, die standardmäßig erst nach 9 Uhr im büro erscheinen und welche, die ohne Absprache vor 15:30 Uhr gehen. Ich frage mich, wozu gibt es diese Regel mit der Kernarbeitszeit dann überhaupt? Im Prinzip ist das dann nur für korrekte Menschen wie mich eine zusätzliche Schikane. Weil ich im Gegensatz zu vielen anderen stets darauf bedacht bin, diese Regeln einzuhalten und enttäuscht und sauer auf die anderen bin, die das nicht tun. Auf die Palme bringt es mich dann, wenn Besprechungen außerhalb dieser Kernarbeitszeiten angesetzt werden. Der Leidtragende bin wieder einmal mehr ich, weil ich als Frühaufsteher mein Soll bereits um 15:30 Uhr erfüllt habe. Ich, ein äußerst rücksichtsvoller Mensch, versende Besprechungseinladungen schließlich auch nicht bereits für 7:00 Uhr.

Das war jetzt nur ein kleiner Auszug zum Thema Pünktlichkeit bzw. Arbeitszeitenregelung und wie in diesen Fällen Regeln unterschiedlich bewertet und gelebt werden. Es gibt weitaus heiklere Themen, auf die ich jetzt gar nicht eingehen möchte. Einige, die das lesen, halten mich vermutlich für kleinkariert und überempfindlich. Ok, diese Kritik akzeptiere ich. Aber wisst ihr, was ich für mich aus diesen exemplarisch beschriebenen Situationen geschlussfolgert habe: Ich muss egoistischer werden, es genauso machen wie die anderen, mir ein dickes Fell wachsen lassen … Nur ist das nicht traurig, wo bleibt dann das Miteinander? Leidet darunter nicht die Arbeit bzw. die Leistung? Bei mir hat dieses Verhalten meiner Mitmenschen den Effekt, dass ich mich zu oft ärgere, mich wegen solcher Nebensächlichkeiten nicht 100 %ig auf meine eigentliche Aufgabe konzentriere und motzig werde. Das stört wiederum die anderen. Ihr erkennt schon die Kettenreaktion, die so etwas auslösen kann. Ich bin überzeugt davon, dass sich gemeinsam mehr erreichen lässt, als wenn jeder seine eigenen Brötchen backt, auch wenn die Brötchen noch so gut sind. Und dazu gehört meiner Ansicht nach eben, dass man sich an gewisse Regeln hält.

Genau an dieser Stelle stehe ich jetzt und habe keine Antwort darauf, wie ich damit umgehen soll. Meine Ideale über Bord werfen? Öfter an mich selbst denken, auch wenn das nicht im Sinne der Gemeinschaft ist? Aber wie löse ich mich von dem inneren Zwiespalt, so dass ich nicht immer gleich auf 180 bin, wenn ich beobachten muss, wie egoistisch sich andere teilweise verhalten? Darüber muss ich mir in nächster Zeit intensiv Gedanken machen. Ratschläge sind jederzeit willkommen.

team-motivation-teamwork-together-53958.jpegLetzten Endes wird es – wie so oft im Leben – auf einen Kompromiss hinauslaufen. Meinen Idealen will ich treu bleiben, sonst wäre ich nicht mehr ich. Aber mit vielen Situationen sollte ich einfach relaxter umgehen und nicht alles so engstirnig sehen. Nüchtern und objektiv betrachtet, funktioniert die Gemeinschaft ja doch irgendwie. Meine Mannschaft ist eine super Truppe, auch wenn es Optimierungspotenzial gibt 😉 Meine Kolleginnen und Kollegen mag ich trotzdem, selbst wenn ich mich immer mal wieder über den ein oder anderen ärgern muss. Also öfter mal ein Auge zudrücken, tief durchatmen und den Regelverstoß oder das egoistische Verhalten einfach ignorieren. Ich bin mir sicher, dass vielen gar nicht bewusst ist, was das in mir auslöst und dass es sicherlich nicht böse gemeint ist. So keep cool and relax!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s